Dreamteam Frauen und Schwule – OW Part 2

Ein Essay, ein Spiel mit Gedanken – wurde mir gesagt.

Dieser Text ist der zweite Teil einer längeren Reihe, wie ein paar antike Päderasten die Zukunft gerettet haben könnten.

Schaut euch lieber den ersten Teil über perfekte Männerhintern an, sonst wird das hier nicht viel Sinn ergeben 😉

Danke an dieser Stelle an JPiber via Pixabay für das Bild!

Wolkenherz

Dreamteam Frauen und Schwule

Ist man sich erst einmal bewusst, welche Einigkeit und Anerkennung selbst unter formal den Frauen zugetanen Männern über den perfekten Männerpo herrschen muss, dürfte es nicht weiter überraschen, in welche Schwärmerei ich beim Anblick des formgewordenen göttlichen Willens versank. (Ein besonderer Arsch im ersten Teil 😉 ) Aber meiner Erfahrung nach stößt die Bewunderung der Attraktivität anderer Männer gerade bei den Frauen auf großen Unmut. An dieser Stelle würde sich eine ausgiebige Recherche einschlägiger Literatur anbieten.

Sie irren allerdings, wenn Sie sich mich nun über einen Stapel Bücher gebeugt vorstellen – die kostbare verbleibende Zeit meines ohnehin angezählten Rückens verschwendend -, um die Geheimnisse weiblicher Homophobie vom Stegosaurus bis zum Terminator aus der fernen Zukunft im Jahr 2029 (!!) minutiös zu rekonstruieren. Aber Ihnen zuliebe wollen wir den Anschein fundierter Recherche erwecken.

Also ein Zitat aus dem 1923 erstmals erschienen, für seine Zeit wohl als progressiv zu verstehenden, Wie bist du, Weib? von Dr. Bauer, einem Wiener Gynäkologen:

„Das moderne Weib ist nicht schlechter geworden als es etwa früher war; wohl aber ist es etwas vernünftiger geworden! Insofern, als es heute wenigstens seine Prüderie und Scham soweit abgelegt hat (…)“.

Ursächlich dafür sei – wie überall sonst im Leben – das veränderte Milieu der Zeit. Man nehme diesen Ansatz, schmeiße ihn für Hundert Jahre in einen Kochtopf mit Wahlrecht, Pille, Aufklärung, LGBTQIA+*, MeToo und Gleichstellungsgesetzen und herauskommt das moderne Dream-Team schwuler Männer und lediger Frauen. Von wegen weiblicher Homophobie, höre ich Sie schon sagen. Der Gay Best Friend hat den Status eines popkulturellen Ideals. Beweisaufnahme beendet. Oder?

Einspruch, euer Ehren! „It is a capital mistake to theorize before one has data”, warnt der gute alte Sherlock aus dem Grab. Denn wir haben jenen Fall von Ablehnung gegenüber Anziehung zwischen Männern, auf den ich mich beziehe, noch gar nicht besprochen.

Sehen Sie, meine Frau ist eine ausgesprochen wohlbelesene Feministin, der jegliche Verurteilung von homosexuellen Partnerschaften – und aller anderen Spielformen – unter normalen Umständen sauer aufstoßen würde.

Eines Tages brausen wir mit unserem Auto durch eine finstere Landschaft. Ein Heer schwerer, vollgesoffener Regenwolken verdunkelt den Himmel. Ihre ausgesandten Streitkräfte trommeln ungestüm gegen die dünne Blechmembran, während wir eine Schneise durch ihre Reihen schlagen. Augenblicklich schließen sich ihre Linien hinter uns. Fast wirkt es, als ob wir das Land verlassen hätten, als säßen wir abgeschottet von der restlichen Welt in einem Uboot; als wären wir aus dem Lauf der Zeit in eine andere Dimension entrückt.

In dieser Parallelwelt blüht unser Gespräch auf, entfaltet sich angeregt, springt unerwartet von hier nach da – wie ein Liebesspiel der Gedanken. Ohne zu wissen, wie wir dort gelandet sind, erzähle ich von der Gepflogenheit, bei der sich Sportler gegenseitig auf den Po klatschen, um gegenseitige Anerkennung auszudrücken. Und was ist die urtümlichste Reaktion meiner Liebsten in diesem intimen Moment? Sie macht sich lustig. Spöttelt über diese komischen Verhaltensweisen, hat die Not, diese Vorstellung ins Lächerliche zu ziehen. (Was sie später mit eingezogenem Schwanz als kindischen Schnellschluss entschuldigen wird.)

Und diese Reaktion würde ich als exemplarisch einstufen für Zuneigung und Zärtlichkeit – Sind sie bereit? – zwischen heterosexuellen Männern. Sollen die Schwulen doch treiben, was sie wollen, das macht allenfalls etwas her für lustige Geschichten, solange die Kerle Kerle bleiben.

Ich trau mich wetten (was also nichts anderes heißt, als dass ich außer meiner Intuition keine belastbaren Daten darüber besitze), dass viele Frauen bei den Geschichten aus Queer as Folk genauso lachen können wie bei den zotigen Anekdoten aus Sex and the City. Ein Beispiel der ersten Staffel Queer as Folk, dass die vermeintliche Verbrüderschwesterung einfängt.

Business Executive: „But what about the model? Are you sure he isn’t too…?”
Brian: “Gay? Ladies?”
1st Woman: “I wouldn’t care if he was. I would go to bed with him anyway.”
2nd Woman: *Laughter*

Gelächter, Gelächter – wie gesagt: Schwul und Ladies geht ja angeblich super zusammen. Aber haben Sie schon mal gesehen, wie viele Frauen auf äußere Kennzeichen (Marker) reagieren, die Gender-Stereotypen widersprechen – angefangen im Kindergarten bis hinauf ins hohe Alter? Ganz zu schweigen von Liebkosungen oder Freundschaftsbezeugungen, die nicht in Stacheldraht gewickelt sind.

Derogative Bezeichnungen unter Freunden wie „Schlampal“ (Koseform von Schlampe) würden 10mal eher durchgehen als „Süßer“. Jede Wette! Das ist plötzlich nicht mehr das gute Schwul der richtig Schwulen. Das ist heteroschwul und da gibt es eine Grenze, bei dem – wie Dr. Bauer sagen würde – “(…) normalen Weib, das Weib des Alltagslebens, das ‚Kulturweib‘, das mit und um uns lebt.“

Nehmen wir mal an, mein Bauchgefühl stimmt. Woher mag diese Doppelmoral dann kommen? Was spricht für schwule Freunde, aber gegen Partner, die mit anderen Männern liebevoll sind? Liegt es an Jahrtausenden der Erniedrigung und Missachtung von Frauen, die sie hypersensibel sein lässt auf jedwede Bünde unter Männern?

Immerhin mussten sie die Degradierung zu Zeugungsmaschinen ja schon bei den antiken Griechen hinnehmen, die so wenig auf sie hielten, dass sie die einzig wahre Beziehung eher mit pubertierenden Knaben suchten als mit einer Frau. (Ein Punkt, auf den wir noch zu reden kommen werden. Darauf können Sie vom Schierlingsbecher trinken.)

Oder entspringt diese reflexhafte Abneigung doch der kulturchristlichen Sexualethik, die selbst von den Nazi-Ideologen heuchlerisch aufgegriffen und gerade im Blick auf

Homosexualität noch verschärft wurde? In diesem Sinne würde ich Carola Reinsberg verstehen, die in ihrem spannenden Buch über Sexualität im antiken Griechenland schreibt:

„Die Wahl der einen oder anderen Liebe war keine Frage einer individuellen Konditioniertheit, sondern einer gesellschaftlichen Konvention, abhängig von Alter und Sozialstatus.“

Gut und schön, werden Sie nun vielleicht sagen, selbst wenn es einer der beiden Punkte wäre, ist’s doch bei den Männern nicht anders. Dabei ist der springende Punkt doch: Die Damenwelt sollte angeblich verbündet sein mit der Homowelt, statt sich darüber lustig zu machen oder eine harte Grenze bei den Heteromännern zu ziehen – wenn man den Filmen glauben darf.

Davon abgesehen, will ich ein verrücktes Gedankenexperiment wagen: Was, wenn die Meinung der modernen Frau, anders als in der Antike, heute von Bedeutung wäre? Rein hypothetisch versteht sich! Um das zu klären, sollten wir uns mit C₁₉H₂₈O₂ vertraut machen. CC12CCC3C(C1CCC2O)CCC4=CC(=O)CCC34 ist natürlich ein Begriff für Sie, oder?

Sonst lassen Sie mich Ihnen auf die Sprünge helfen.

Fortsetzung folgt …

Beim nächsten Mal: Dschungelfieber und Mönche on Roids!