Ein Essay, ein Spiel mit Gedanken – wurde mir gesagt.
Dieser Text ist der erste Teil einer längeren Reihe, wie ein paar antike Päderasten die Zukunft gerettet haben könnten.
Danke an dieser Stelle an Hunter16 via Pixabay!

Der perfekte Männerpo
Ihre kühlen Küsse umschmeichelten meinen geschundenen Geist, wenn sie sich hingebungsvoll gegen den glühenden Nacken warfen, als gäbe es für die unsichtbaren Wassergeister keine höhere Verzückung, als in der Umarmung meines dampfendes Körpers ihr bittersüßes Ende zu finden.
Ich reckte ihnen meinen Kopf entgegen und trottete dankbar durch den feinen Sprühregen, der das Grau in Grau der feuchtschmutzigen Stadt mit jedem Opfer seiner unscheinbaren Boten transzendierte – zum Hohn all jener, die glaubten, die mystische Kraft der Natur mit Beton versiegeln zu können.
Es war eine willkommene Wohltat, die mein geschundener Geist nach dem morgendlichen Training gut gebrauchen konnte. Weder hieß er die unheilige Zeit für solche Strapazen gut, noch verzieh meine Koffeinsucht den kalten Entzug. Aber die Beiden hatten sich meiner neuesten Herrin zu unterwerfen.
Ohne es zu realisieren, war ich in die Fänge der Fitnessindustrie geraten, war in der Illusion gefangen Sportler zu sein, während ich am besten Weg zum Body Building war. Als braver Sklave dieser Sekte war ich früh morgens in den Eysentempel gepilgert und hatte an meiner Absolution gearbeitet.
Der Gott des Körperkults – Adonis – schien mir dadurch hold zu sein, denn als ich mein Stammcafé um die Ecke erreichte, war die Schlange an der Theke überschaubar. Die Vorfreude auf mein baldiges Koffein-High gab den müden Beinen den nötigen Saft, um die Stufen ins Obergeschoss zu überwinden und die milchige Brühe würdevoll winselnd hinauf zu schleppen.
An regnerischen Tagen öffnete der Anblick der großflächigen Fenster einen Durchgang zu Orten aus meiner Vergangenheit, die von einer ähnlichen Energie erfüllt waren. Stumpfsinnig stand ich einige Zeit vor dem auserkorenen Tischlein, ehe ich mich losreißen konnte. Um mich beim Hinsetzen vom Schmerz in meinen Oberschenkeln abzulenken, scannte ich den Raum, ehe ich an meinem Cappuccino nippen und mich in die Lektüre meines neuesten Schatzes versenken würde.
Aber die Moiren verfolgten andere Pläne. Er hatte mich wieder gefunden. In seiner knackigen Herrlichkeit lachte er mich frech von der Mitte des Raumes an. Seine festen, kraftvollen Konturen zeichneten sich unverkennbar durch den rauen Jeansstoff ab.
Der vollkommene Männerpo. Ein makelloser Diamant.
Wie er sich so ungeniert auf dem Barhocker des hohen Tisches präsentierte, war es mir unmöglich das Gesicht seines Trägers zu verifizieren – aber ehrlich gesagt hätte ich mich daran ohnehin nur vage erinnert. Vor der Perfektion dieses Männerarsches verblasste die Erinnerung an solche Nebensächlichkeiten. Irritiert zwang ich mich von seinem erhebenden Anblick loszureißen, doch schon die unscheinbarste Bewegung fing mich erneut ein.
Schon einmal zuvor war ich diesem Wunderwerk begegnet, war seinem hypnotischen Bann erlegen. Seine Form hatte sich offensichtlich unvergesslich in mein Gehirn gebrannt und selbst heute – eine Dekade später – würd ich darauf schwören ihn auf Anhieb aus Dutzenden zu erkennen.
Ein Strom aus unseligen Gedanken blitzte vor meinem inneren Auge auf. Ich hatte eine Vorahnung des Gefühls, das meinen Arm durchlaufen würde, wenn ich dagegen klatschen würde. Fast meinte ich das selige Nachbeben in meiner Hand zu spüren, träumte davon meine Zähne verspielt in seinem knackigen Allerwertesten zu vergraben.
Natürlich hielt ich mich nicht mit profanen Fragen auf, die meine heilige Verzückung gestört hätten – wie die Idee unmäßiger Behaarung oder Pickeln oder anderer sündiger Gedanken. Stattdessen badete meine Seele in der vergänglichen Freude unseres Zusammentreffens.
Nun will mich in meinen Ausführungen nicht auf diese eine Begebenheit, diesen Avatar formvollendeter Schönheit versteifen, sondern tiefer eintauchen in das Mysterium des perfekten Männerpos. Denn anders als bei den Frauen, wo die süßen Früchte ihrer Rundungen in ihrer Vielgestaltigkeit dem endlosen Meer gleicht, so verhält es sich beim Manne doch anders.
Zwar stimmt es, dass – wer in Liebe entflammt – blind ist für die Erscheinung des Objekts der Begierde; und so muss es ja auch sein, bedeutet es ja nichts anderes als sich dem Zauber der eigenen Fantasie zu ergeben. Davon abgesehen wird man doch zugestehen müssen, dass die verschiedenen Ärsche, die uns zum Mann einfallen, letztendlich nur Zugeständnisse an Alter oder Leibesfülle sind, hinter denen wir das himmlische Ebenbild in seiner Perfektion erahnen.
So mag bei manchem Jüngling mit rosigem Teint die weiche Kontur seiner Backen als Lieblichkeit durchgehen oder umgekehrt die schmale Falte – sie wissen schon, die zwischen Bein und Gesäß – eines Heroen, der seinen Zenit überschritten hat, doch nach wie vor in seiner Kraft steht – so einem würde man einen geilen Arsch zugestehen.
Aber nicht als eigene Kategorie, als Gleicher unter Gleichen, wie man bei der Frau nicht sagen könnte ob nun Herz, Birne, Pfirsich, Apfel, Träne oder Bubble Butt 🎼Bubble-bubble-bubble butt 🎼- Aphrodites Form vollendete.
Nein, ex lege libidinis divinae kennen wir beim Mann nur eine wahre Form: der ebenmäßige Rücken verläuft sanft, um sich plötzlich zu erheben wie die Sonne, wenn sie als goldene Scheibe morgens aus dem Meer tritt und uns mit ihrem Glanz den Atem verschlägt. Und wenn auch schon unzählige Male gesehen, verfallen wir hilflos ihrem majestätischen Spiel. Dann aber muss sich die Kontur des Gesäßes mühelos abzeichnen – nicht verzwickt, nicht überspannt, dennoch stramm, kräftig.
Als könnte er alles verbringen, als wäre ihm kein Ding unmöglich und doch würde es ihn keine Kraft kosten. Mühelos wäre er auf und davon, sogleich wieder in erhabener Ruhe, sich seiner köstlichen Stärke bewusst. Doch niemals roh oder brutal. Der Bogen an seiner delikaten Seite bildet die Kulisse für die Grübchen, die sich als Kennzeichen in die unzähmbaren Hüften schrieben. Würde man einen Tropfen Öl darauf vergießen, wüsste er nicht welchen Weg nehmen, da seine kernigen Backen gleichmäßig verlaufen. Straff gehen sie in die wohlgeformten Oberschenkel über, eingerahmt von weichen Schatten, die in seine Täler gekommen sind, um anzubeten – Dean, Pitt, Momoa, Chalamet, Kravitz, Evans.
Selbstverständlich durchschaut meine aufmerksame Leserschaft die Charade, rufen empört aus: „Das sind beileibe nicht dieselben Hintern!“ Touché, der Punkt geht an Sie. Dennoch hoffe ich, es wollen mir die geneigten Leser*innen so weit entgegenkommen, einzugestehen, dass der Unterschied lediglich im Ausmaß jener mystischen Kraft liegt, die sich darin manifestiert und doch die Urform gleichbleibt.
Fortsetzung folgt …
Beim nächsten Mal: Comedy Dreamteam: Frauen und Schwule
