• Puffmütter und die Bottom Bitch – HB Part 2

    Puffmütter und die Bottom Bitch – HB Part 2

    Eine Essay-Reihe als Kritik, als Anregung zum Nachdenken, als Provokation. Trotzdem nur ein Spiel.

    Das ist der zweite Teil meiner Blutfehde mit der Wahrheit, wo wir uns dem Kern der Sache langsam nähern. Der erste Beitrag ist zum besseren Verständnis zu empfehlen 😉

    Danke an dieser Stelle an gomca via Pixabay!

    Puffmütter und die Bottom Bitch

    Wissen Sie, was eine Puffmutter ist? Falls die Antwort tatsächlich Nein war, dann hören Sie bitte auf so zu tun, als würden Ihre Gedanken nur aus Zuckerwatte und Sonnenschein bestehen. Es ist reizvoll, über jene Milieus nachzudenken, in denen unsere bürgerlichen Regeln ausfransen und den Blick freilegen auf den unkultivierten Primaten in uns. Liegt darin nicht der Reiz von Gangsterfilmen und post-apokalyptischen Stories? Fantasien wie man wäre, wenn das Korsett der Gesellschaft zusammenbricht? Oder um es mit Freud zu sagen: Wenn das Unbehagen der Kultur überwunden ist.

    Witzigerweise irritiert uns die Käuflichkeit von Sex so sehr, dass es gedanklich an den Rand der Gesellschaft geschoben wird, aber die eigene Seele für immer größere Gewinne zu verkaufen, das gilt als naheliegend, notwendig – ja erstrebenswert. Wie sonst kann man in den eigenen Lieferketten Zwangsarbeit, Kinderarbeit, Sklavenarbeit, Todesfälle und weiß der Teufel was in Kauf nehmen, aber nur mit dem Schlaf kämpfen, wenn die Aktienmärkte beunruhigt sind?

    Ergo scheint es nicht übertrieben zu schlussfolgern, dass die Konzernmanager die eigentlichen Oberhuren, die Puffmütter sind.

    (Hier hält sich ein kleiner Exkurs versteckt.)

    (An dieser Stelle gilt: Kommando retour. Im letzten Beitrag der Reihe, habe ich für Menschen im horizontalen Gewerbe die weibliche Schreibform argumentiert, da es primär um Frauen geht. Im Konzernkontext muss ich das revidieren, denn bei der Dichte an Hodenträgern in Führungsfunktionen, wäre es wohl angemessen von Puffvätern zu reden.)

    Es gibt in diesen Sphären keine moralischen Einschränkungen, keine Prinzipien außer dem wirtschaftlichen Erfolg. Wenn dabei nicht die eigene Menschlichkeit und die vieler anderer verkauft wird, weiß ich auch nicht. So formulierte es der ehemalige OMV-Chef Rainer Seele unstrittig im Falter-Interview, als es um die Verstrickungen mit Russland ging.

    “(…) Unser Geschäft ist rein wirtschaftlich. Sie können noch so nette politische Vereinbarungen treffen, wenn sich das für eine OMV oder für einen anderen Konzern nicht rechnet, wird es nicht umgesetzt. (…) Das ist die Verpflichtung, die uns auch das Aktienrecht auferlegt. Und das ist für uns die Basis der Entscheidung, nichts anderes.” https://www.falter.at/zeitung/20190904/radikale-ziele-bringen-nichts

    Den Teil, wo das Heer an Lobbyist:innen auf Politik und Zeitungen Einfluss nimmt, den lässt er mal geschwind aus. Kann uns an dieser Stelle auch egal sein, wir wollten ja nur aus dem Munde der Mächtigen hören, dass alle ihre Prinzipien eine Frage des Preises und der Gesetze sind. Und direkt mit an Board hüpft die vielzitierte “Hure der Reichen” – die Verwaltung. Zumindest wenn man Thomas Schmidt und den Protokollen über seine internen Nachrichten glauben darf. So sind es schon zwei im Bunde: Puffmutter und ihre Hure der Reichen. Wer zahlt am Ende die Zeche? Sind es die Vermögenden, in deren Auftrag ja gehandelt wird?

    Mitnichten. Der umstrittene Kultkomiker Dave Chappelle erklärt in seinem Netflix-Special The Bird Revelation 2017, dass das eigentliche Geld mit der Bottom Bitch gemacht wird.

    “It’s a pimps #1 hoe. She is even the bitch that will help him keep the other bitches in line. If the pimp is McDonalds then the bottom bitch was french fries.”

    Also, was denken Sie, wer ist im Staate Ostarrichi die Bottom Bitch? Erraten! Ohne irgendein Sektenmitglied aus der Wirtschaft interviewt zu haben, um diese Einschätzung abzusichern, scheinen bei uns die Konsumsteuern vor Lohnsteuer und Sozialbeiträgen den Großteil der Staatseinnahmen auszumachen.

    Zu meinem und eventuell auch Ihrem Erstaunen werden besagte Pimps und Puffmütter jedoch nicht durch die Straßen getrieben wie die Königinmutter Cersei Lannister aus der Serie Game of Thrones, die für ihre herzlosen Spielchen den Zorn der Stadtbewohner auf sich zieht.

    (SHAME gloing SHAME gloing SHAME gloing)

    Schlimmer noch: Menschen aus allen Lebenslagen verteidigen das soziopathische Vorgehen der Konzernbosse – eine Tatsache, die mich stutzig macht. Kamen hier sowjetische Gehirnwäsche-Taktiken zum Einsatz oder wurde beim letzten Saufurlaub doch zu viel Vorlauf vom Absinth erwischt?

    Leider liegt das Problem viel tiefer begraben und – das muss ich gleich vorausschicken – historisch gesehen ist die einzige Lösung dafür auf jede erdenkliche Weise gescheitert.

    Fortsetzung folgt…

    Beim nächsten Mal: Pandoras Büchse und die schmutzige Wahrheit

  • Eine Annäherung/Abgrenzung – HB Part 1

    Eine Annäherung/Abgrenzung – HB Part 1

    Eine Essay-Reihe als Kritik, als Anregung zum Nachdenken, als Provokation. Trotzdem nur ein Spiel.

    Das ist der erste Teil meiner Blutfehde mit der Wahrheit.

    Danke an dieser Stelle an Susanne906 via Pixabay!

    angel statue as stand-in for truth

    Eine Annäherung/Abgrenzung

    Hure. Sagt man ja nicht mehr so oft. Öffentlich. Zumindest in meinem Dunstkreis des Mittelstandes und der niederen Akademiker. Sie wissen schon, solche, bei denen man nicht ehrfürchtig mit “Ach wirklich”, sondern mit “Achso” reagiert. Denken Sie einfach kurz nach, über welche Doktoren Sie schon Fernsehserie gesehen haben, der Rest sind die ‘Achsos‘. Ob nun Akademikerinnen, Handwerker oder Freiberufliche – für alle hat man ein grobes Gefühl, mit allen hatte man schon zu tun. Aber eine Gruppe ist mir fremd.

    Die hohen Leute, die Räuberbarone mit ihrem Hofgesinde, die unsere staatlichen Kolonien verwalten. Wie redet man wohl dort? Vielleicht gibt es in der vornehmen Gesellschaft wieder Huren. Könnte aber auch gut sein, dass der Begriff überflüssig wird, sobald man quasi das gesamte Staatsvolk als schlechtere Leibeigene hat. Wozu Huren, wenn es Sklaven gibt? Was genau ist überhaupt eine Hure? Sie erfüllt ja nicht die Funktion einer Hetäre oder Geisha, die als Kurtisanen eine hervorgehobene, wenn auch zweifelhafte, Stellung innehatten. Sie ist aber dennoch irgendwie zu unterscheiden von Schlampen, Dirnen oder Nutten.

    Je nachdem, ob man die althochdeutsche Wurzel ‘huora’ für Ehebruch oder Unzucht heranzieht oder doch das indogermanische ‘hegehan’ für lieben, lüstern sein, ergibt sich wohl eine andere Nuance im Verständnis. Was zuerst sexuell freizügig meinte, wurde alsbald zur Prostitution – denn Ersteres war die längste Zeit in unseren männlich gelenkten Plutokratien fast gleichbedeutend. Freizügig wurde zu ‘freizügig gegen Geld’. Eine Ausgeburt der wirtschaftlichen Nachteile und Ungerechtigkeiten zwischen Menschen, zwischen den Geschlechtern.

    Eine sexuell umtriebige Frau hatte keinen Wert als Kapitalanlage, als Produzentin legitimer Nachfolger. Was sie in der patriarchalen Hierarchie in die Nähe jener gern besuchten, stets missachteten Sexarbeiterinnen brachte. (Die Diskussion über diesen Begriff sparen wir uns an dieser Stelle.) Faktisch waren die von Altertumswissenschaften nachträglich heroisierten geistreichen Gefährtinnen – jene bereits erwähnten japanischen Geishas, indischen Tawaifs, chinesischen Yijis … – nur als kuriose Ausnahmeerscheinungen klar von den Heeren rechtloser Sklavendirnen zu unterscheiden, wie Dr. Carola Reinsberg zumindest für das antike Griechenland ausführt. Anzunehmen, den Damen wäre es zu anderen Zeiten in anderen Kulturen recht viel anders ergangen, erscheint kindisch.

    Heute erlebt das Promiscuous Girl, wie es Nelly Furtado mit Timbaland in ihrem 2006er Hit zelebrierte, in manchen Kreisen eine Rehabilitierung.

    Nelly: “You looking for a girl that’ll treat you right. Have you looking for her in the daytime with the light.”

    Timba: “You might be the type if I play my cards right. I’ll find out by the end of the night.”

    Nelly: “You expect me to just let you hit it. But will you still respect me if you get it?”

    Timba: “All I can do is try, gimme one chance.”

    Der spielerische Charakter, die gegenseitige Verführung macht klar, dass dieser Frau der zentrale Makel einer Hure nicht anhaftet: die Bezahlbarkeit. Was mitnichten heißt, dass sexuelle Freizügigkeit ohne Bezahlung ungestraft davonkommt.

    Schließlich kommt Nutte vom niederdeutschen ‘nützliche Frau’, Dirne schlicht von Dienerin und lediglich Schlampe hat mit seiner Verwandtheit zur Unordnung einen negativen Hintergrund. Aber es hilft ja nichts, die Gesellschaft lässt sich in dieser Sache wenig beirren. Selbst wenn diese Männer und Frauen – und es bleiben vorrangig Frauen, also bleibe ich vorrangig bei der weiblichen Form – in Amsterdam Sextherapeutin genannt werden, selbst dann bleiben die alten Stigmen aufrecht: Hure zu sein ist auch nicht viel besser als Achso-Akademiker.

    Wobei genau genommen die Oberhuren die großen Firmen sind – und zwar alle ohne Ausnahme.

    Fortsetzung folgt…

    Beim nächsten Mal: Puffmütter und Wirtschaftsfanatiker